Mein 1. Fallschirmsprung oder auch: Oh, mein Gott, was hab ich mir nur dabei gedacht?!

Diese unbezahlbaren Augenblicke in denen man frei ist, sorgenlos, schwebend – das sind meine kleinen Libellen …
Langes Warten, die Anspannung steigt, doch es wird bis zum letzten Nerv ausgereizt. Dann endlich der richtige Name. Schnell in die Halle, den Overall an, Gurte rum, die Anweisungen durch den Rausch des Adrenalins irgendwie verarbeiten und dann geht es sehr schnell. Plötzlich sitzt man im Flugzeug, fliegt über die Wolken und ein Atemzug lang hat man das Gefühl alles wäre völlig normal. Ein Flug wie jeder andere.
Dann kommt die Info: Noch zehn Minuten. Keine Ahnung wo diese Minuten sich hin verkrümelt haben, aber fast zeitgleich geht schon vorne die Luke auf. Kalter Wind zieht durch den Innenraum unserer Konservendose. Ich sitze ganz hinten. Die letzte dieser aneinandergequetschten Sardinen. Einer nach dem anderen verschwindet einfach hinaus in den Himmel.
Als das Flugzeug vor uns leer ist, sind wir dran. Zu zweit robben wir auf unseren Hintern nach vorne.
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Der Wind reißt an unseren Füßen. Ich spanne sie an. Versuche an die Worte der Erklärung zu denken: Hände an den Gurt, Füße nach unten, Hüfte nach vorn, Kopf auf die Schulter des Flugbegleiters. Dann Hopp. Freier Fall.
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Der Wind schlägt mir entgegen. Nimmt mir den Atem. Durch die Nase! – haben sie gesagt. Okay, das geht. Ein und aus. Dann soll ich auch noch Lächeln – ja, klar …
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Im Nu sind wir in der Wolkendecke. Eine Minute. Es ist eine gefühlte Unendlichkeit – dann kommt der Ruck. Ich hänge in den Gurten. Uns umgibt ein feiner Nebel, eine leichte Feuchtigkeit, ohne Sicht – dann haben wir auch die Wolke hinter uns gelassen und Wow!
Endlich begreife ich, was ich hier tue. Ich bin ein Vogel, der über die Erde fliegt. Ohne Wenns – Ohne Abers. Hier gibt es keine Sorgen. Keine Fragen. Nur Freiheit. Reine, grenzenlose Freiheit. Wir schweben. Gleiten über die Landschaft hinweg.
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Irgendwo unter mir sind andere orange Punkte. Einer von Ihnen ist mein Bruder. Wir lassen uns treiben und drehen Kreisel in der Luft. Beschleunigen, stoppen, rasen umher – ein Zirkel nach dem anderem, nur für eine gute Show. Und alter Schwede ist die gut. Einzigartig. Wunderschön. Unbeschreiblich.
Irgendwie stehe ich über den Dingen – im wahrsten Sinne des Wortes. Sorgen, Zweifel – wieso überhaupt? Wenn dies hier möglich ist, wieso sollte nicht alles möglich sein?
Hier oben existiert nur das eigene Selbst. Sonst nichts. Die Gedanken, die Gefühle – Ich.
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Quelle der Fotos: www.gojump.de
Funfact zum Schluss: Sogar als ich eben diesen Text geschrieben habe, ist mein Puls auf 180 gegangen, haha. Dennoch kann ich jedem empfehlen, es einfach mal auszuprobieren und seine Angst zu überwinden. Gehabt Euch wohl.