Libellenmoment III – Wenn die Ruhe zur Flucht antreibt

Libellen zeichnen das Leben, egal ob gut oder schlecht. Die Libellen haften in deinem Geist, flattern wild umher, verursachen Unruhe …
Zuhause sein – es ist immer, als würde ich mein Leben auf Reset drücken. Als wären die letzten zehn Jahre mit einem Mal nicht dagewesen. Als wenn ich nie von Zuhause weggewesen wäre. Auf einmal bin ich wieder das kleine Kind. Die nicht verstandene Jugendliche, die gegen bestehende Mauern anläuft. Umgeben von meiner Mutter, die mich umsorgt, der Vater, der einen bevormundet und der Bruder, der seine Späße treibt. Unerklärliche Geborgenheit erfüllt mich. Ich bin hier eigentlich nicht mehr Zuhause, mein Herz hab ich in Hamburg zurückgelassen und doch fühle ich hier dieses Urvertrauen. Es ist diese kleine Welt, in der man jeden einzelnen Zentimeter kennt. Wo jeder Ort – jede Ecke eine Erinnerung birgt.

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Brüel, Brücke am Mühlenbach (c) Ela Schnittke

Die trostlose Weite, die mich umgibt und gleichzeitig die Kreativität fördert. Die Einengung des Selbst erzeugt Welten, die ich sonst nie kennenlernen würde. Hier habe ich abgefangen zu schreiben. Zu fotografieren. Zu träumen. Zu sein. Hier habe ich mich gefunden.
Und dennoch fühle ich mich hier eingeengt. Ein ständiger Gedanke pulsiert in mir: Ich muss hier weg! Ich liebe die Landschaft. Ich bin gern Zuhause. Für mich ist es ein Ort der Ruhe. Er erdet mich auf eine Art, wie es sonst nichts vermag und dennoch dieser Impuls, der mich auch schon in meiner Jugend erfüllte: Ich muss weg!
Damals kotzte mich hier alles an. Nun sehe ich es als triste Schönheit, die mich berührt und mir ein Gefühl von Zuhause vermittelt. Etwas nach dem ich mich sogar oftmals sehne. Ein Widerspruch.

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Brüel, Mühlenbach (c) Ela Schnittke

Gleichzeitig will ich hier sein. Gleichzeitig will ich weg. So war es immer gewesen. So wird es wahrscheinlich auch immer sein. Dieser Ort hat etwas an sich, dass mich gleichzeitig beflügelt und zerstört. Diese Weite engt mich ein, raubt mir die Luft. Es ist als wäre ich in einem Käfig, während ich mich in Hamburg frei fühle. (Bezug auf Kleinstadt einbauen)
Sobald es ruhig wird, kann ich nicht verharren. Ich muss tätig werden. Reisen, die Welt sehen, neue Orte entdecken. Schreiben, kreativ sein, laufen, rennen, soweit mich meine Füße tragen. Hauptsache weg. Aber ich will nicht dies hier – Nicht dieses beschauliche Leben.